Die Familienpolitik der Stadt Bielefeld

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Die Familienpolitik der Stadt Bielefeld

      „Sozialdezernent der Stadt Bielefeld zu sein ist eine großartige Aufgabe. Ich treffe viele spannende Menschen, kann in Bereichen wie Arbeitsmarktpolitik oder Unterstützung von Eltern, Senior*innen und Menschen mit Behinderung mitgestalten und mich in gesellschaftliche Diskussionen einmischen. Ein wichtiges Thema ist, Bielefeld als familienfreundliche Stadt weiterzuentwickeln. Dazu gehört ganz ohne Zweifel der Ausbau der Kinderbetreuung – sowohl in den Kitas als auch bei Tagespflegepersonen. Die Zahl der Kinder ist in den letzten Jahren deutlichgestiegen, zudem sind immer mehr Eltern bereit, ihre Kinder relativ früh in die Kinderbetreuung zu geben. Zurzeit planen wir elf neue Kitas in mehreren Stadtteilen, das wird die Lage etwas entspannen. Auch qualitativ entwickeln sich viele Kitas sehr positiv. Ich bin gespannt, welche Meinung Sie dazu haben – und welche weiteren Wünsche Sie haben, um die Stadt Bielefeld noch familienfreundlicher zu machen.“

      Ingo Nürnberger, Sozialdezernent der Stadt Bielefeld

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von KiwiBI-Team ()

    • Hallo Herr Nürnberger,

      erst einmal finde ich es gut dass Sie hier für Fragen zur Verfügung stehen.

      Ich habe Fragen zur Verteilung der Kindergartenplätze:

      1. Wird Rücksicht auf den Wohn- bzw. Arbeitsort genommen?
      2. Wenn ich einen Platz bekomme, der so gar nicht in meiner Richtung liegt und ich dadurch täglich 1 Stunde Fahrtzeit in Anspruch nehmen muss, kann ich den Platz ablehnen und bekomme dann einen anderen?
      3. Ich habe gehört, wenn man einen Kindergartenplatz ablehnt, dass man dann keinen Anspruch mehr auf einen Platz hat. Stimmt das?

      Vielen Dank für Ihre Antworten
    • Hallo Herr Nürnberger,

      da Sie gefragt haben, was wir uns als Familien in der Stadt wünschen, wäre mein Wunsch, dass es mehr Elterncafés gibt. Das Café Kleines Glück ist ein tolles Beispiel, weil man hier das Gefühl hat, dass man als Familie mit Kindern willkommen ist.

      Sehen Sie hier eine Möglichkeit, dass die Stadt Bielefeld hier einen weiteren Anstoß geben kann, dass weitere solcher Cafés über die Stadtteile verteilt in Bielefeld geschaffen werden? Das finde ich, würde zu einer familienfreundlichen Stadt beitragen.
    • Hallo Charlotte, danke für Ihre Fragen zu den Kitaplätzen. Wir sind eine wachsende Stadt mit einer steigenden Zahl von Kindern (was sehr schön ist). Deshalb ist die Kitaplatz-Suche aktuell schwieriger als noch vor einigen Jahren. Aber die Kitaträger und das Jugendamt arbeiten eng zusammen, um die Nachfrage zu erfüllen - und die Stadt wird gemeinsam mit den Kitaträgern in den nächsten beiden Jahren insgesamt bis zu elf neue Kitas an den Start bringen. Das wird die Situation wieder entspannen.

      1. Sowohl die Kitas selbst als auch die Kitaberatung bzw. Kitaplatzvermittlung des Jugendamts nimmt auf den Arbeits- bzw. Wohnort Rücksicht. Es ist unser Ziel, kurze Wege für kurze Beine zu ermöglichen - d.h. die Wege für die Eltern und vor allem für die Kinder sollen möglichst kurz sein. Allerdings können Kitas noch andere Kriterien anlegen - um z.B. eine pädagogisch sinnvolle Altersmischung hinzubekommen.
      2. Eine Fahrtzeit von einer Stunde wäre in der Tat nicht zumutbar - und würde dem Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz widersprechen. Gerichte halten einen einfachen Weg von einer halben Stunde noch für zumutbar. In der Praxis ist es so, dass das Jugendamt versuchen wird, Ihnen einen gut erreichbaren Kitaplatz zu vermitteln - und soweit das möglich ist, auch Alternativen vorzuschlagen. Auch Little Bird ermöglicht ja das Suchen von Alternativen. Da wir aber in Bielefeld wie gesagt stark steigende Kinderzahlen haben, gibt es faktisch immer weniger Alternativen - das gehört zur Wahrheit dazu. Manche Eltern bekommen deshalb keinen Platz für ihr Kind in ihrer Wunsch-Kita.
      3. Rechtlich kann das so sein - wenn der angebotene Kitaplatz angemessen und der Weg nicht zu lang war. Dann kann es sein, dass die Kommune den Rechtsanspruch erfüllt hat und grundsätzlich keine weitere Verpflichtung hat. Faktisch aber helfen wir im Bielefelder Jugendamt bei der Suche nach Alternativen - soweit wir sie zur Verfügung haben (vergleiche meine Antwort zu 2.). Auch Little Bird ist wie gesagt auf das Suchen nach Alternativen ausgerichtet.

      Herzliche Grüße

      Ingo Nürnberger
    • Eltern-Cafés sind in der Tat eine tolle Sache, liebe Lisa. Es gibt, so ist mein Eindruck, einige Cafés und Restaurants in Bielefeld, die sehr familienfreundlich sind - und zum Beispiel einen Spielplatz dabei haben oder Spiele zur Verfügung stellen. Kinderfreundlichkeit ist aber ohne Zweifel mehr, als eine kleine Portion Spaghetti mit Tomatensauce anzubieten.

      Allerdings ist das etwas, was den Anbietern selbst überlassen bleibt. Ich glaube, dass kinderfreundliche Angebote einen großen Markt haben und sich auch für die Café- oder Restaurantbetreiber lohnen. Die Frage ist, ob die schon bestehenden familienfreundlichen Restaurants / Cafés eigentlich allgemein bekannt sind? Vielleicht sollte KiwiBi mal einen „Wettbewerb“ oder ein „Zertifikat“ ausloben? :)

      Beste Grüße

      Ingo Nürnberger
    • Hallo Herr Nürnberger,

      schön, dass Sie hier für den Chat zur Verfügung stehen!

      Bei allen Bemühungen, die es sicher schon gibt, die Kinderbetreuung zu verbessern, sehe ich vor allem bei den personellen Kapazitäten noch große Steigerungsmöglichkeiten. Denn ausreichend und gut qualifizierte Erzieher sind das A und O jeder Kita!
      Ich wünsche mir eine großzügigere Personalplanung, die insgesamt mehr personelle Ressourcen bereitstellt und den Kitas auch langfristigere Planungssicherheit bietet.
      Als Mitglied im Elternrat unserer Kita habe ich kleine Einblicke bekommen, wie schwierig es war, die gewünschten Stundenkontingente für das kommende Jahr zu bekommen und in Folge Personal gekürzt wird. Das ist einfach nur erschreckend, da wir täglich sehen, dass unsere Erzieher ihr Bestes geben, aber auch an ihre Belastungsgrenzen kommen.

      Weitere Wünsche von mir wären ein Familienticket für den ÖPNV, mehr Spielplätze in der Innenstadt, die Verbesserung der Kinderwagenzugänglichkeit an vielen Stellen (Bsp: Mein persönlicher Albtraum: Umsteigen in Brackwede/Hauptstr in die Straßenbahn) sowie mehr Geschwindigkeitskontrollen vor Kitas/Schulen.

      Und noch ein ganz anderes Thema: Die Versorgungssituation durch Hebammen wird immer schwieriger in Bielefeld und drumherum. Auch dort wünsche ich mir ein verbessertes Angebot (wie auch immer das aussehen könnte).

      Was tut die Stadt denn aktuell noch bzw was sind Ihre Ideen für eine familienfreundlicheres Bielefeld? (Abgesehen von den Neubauten der Kitas.)

      Mit besten Grüßen und vielen Dank für Ihre Antworten!
    • Hallo NJ NJ!

      Viele unterschiedliche Fragen! Vorab möchte ich sagen, dass wir vom Jugendhilfeausschuss den Auftrag haben, das Konzept „Familienfreundliches Bielefeld“ zu aktualisieren, und zwar unter Beteiligung von Eltern. Dieses Konzept ist vor mehreren Jahren vom Rat beschlossen worden und mittlerweile etwas überholt. Ich gehe davon aus, dass in diesem Beteiligungsprozess viele der von Ihnen aufgeworfenen Themen wieder vorkommen werden.

      Zur Personalausstattung der Kitas: Ich unterstütze den Wunsch nach einer besseren Personalausstattung. Voraussetzung für die Kitaträger ist aber eine höhere Kostenerstattung durch Kommune und Land. Da ist in den vergangenen Jahren einiges passiert: Die alte Landesregierung erhöhte für ein paar Jahre die prozentuale Steigerung der Kostenpauschalen; die neue Landesregierung gab ebenfalls einen Zuschlag und strebt eine Reform des Kinderbildungsgesetzes an. In diesem Gesetz ist auch die Finanzierung der Kitas geregelt. Ich hoffe, dass die Landesregierung einen großen Schritt geht. Die Stadt als Kitaträger hat übrigens die zusätzlichen Landesgelder auch tatsächlich in zusätzliches Personal gesteckt: Kitas mit „überbelegten“ Plätzen profitierten davon, der Vertretungspool wurde aufgestockt, die Zahl der Ausbildungsplätze mehr als verdoppelt, die Stunden für die Hauswirtschaftskräfte wurde ebenfalls erhöht.

      Im Gesetz steht übrigens, dass die freien Kitaträger eigentlich „Eigenanteile“ übernehmen müssen - also Kosten der Kitas teilweise selbst tragen müssen. Bielefeld übernimmt diese Eigenanteile der Träger schon seit Jahren zum weit überwiegenden Teil - sonst wäre die Situation bei den freien Trägern möglicherweise schlechter als Sie sie erleben. Ich halte die Beteiligung der Kitaträger an den Kosten für falsch, bin aber zugegebenermaßen damit in einer Minderheitenposition innerhalb der „kommunalen Familie“.

      ÖPNV-Familienticket: Interessante, aber zweifellos kostenträchtige Idee. Häufig wird auch kritisiert, dass das Schülerticket nur für den Schulweg benutzt werden darf. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ist ohnehin ein großes Thema in der Stadt, da wird auch viel gemacht (aber natürlich gibt es noch unendlich viele Stellen, wo das noch nicht optimal gelöst ist). Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass diese Themen bei der Überarbeitung des Konzepts „Familienfreundliches Bielefeld“ eingebracht werden.

      Kinderspielplätze: Im Vergleich zu anderen Städten sind wir noch ganz ordentlich ausgestattet, nicht nur mit Spielplätzen, sondern auch mit Parks. Wir berücksichtigen den Spielplatz-Bedarf auch, wenn wir neue Quartiere entwickeln. Aber Sie haben Recht: In der verdichteten Innenstadt gibt es viel weniger „Auslauf“ für Kinder als in den Außenbezirken, und für Jugendliche sieht es noch schlechter aus.

      Vor Kitas und Schulen wird schon jetzt viel „geblitzt“, aber ich nehme den Hinweis mit, um mit meiner zuständigen Kollegin darüber zu sprechen.

      Hebammen und Kinderärzte: Das ist grad ein „heißes Thema“, an dem die Stadt grad dran ist. Die Gesundheitsdezernentin ist da zurzeit in Gesprächen mit den verantwortlichen Verbänden. Wir brauchen eine Neuberechnung der Kinderarzt-Sitze in Bielefeld, dafür ist aber die Kassenärzliche Vereinigung zuständig. Bei den Hebammen ist es ebenfalls kompliziert: Die Hebammen-Tätigkeit wird ohnehin nicht superüppig bezahlt, und in den letzten Jahren sind die Versicherungsprämien in die Höhe geschossen. Hier ist die Krankenversicherung in der Pflicht, das Entgelt für Hebammen zu erhöhen. Was positiv ist: Für das Jugendamt sind die Hebammen sehr verlässliche Partner, grad, wenn es auch um den Kinderschutz geht.

      Beste Grüße

      Ingo Nürnberger
    • Hallo Herr Nürnberger,

      Ich habe gehört es war im Gespräch die Kita-Gebühren abzuschaffen? Ist das wahr und ab wann kann man damit rechnen? Ich würde eine Senkung oder Abschaffung wirklich super finden, weil für uns die Gebühren wirklich hoch sind.
      Vielen Dank, dass Sie hier unsere Fragen beantworten!

      Mit freudlichen Grüßen,
      Evelin
    • Hallo Herr Nürnberger,

      wäre es denkbar, dass es von der Stadt Bielefeld eine APP gibt, auf der Angebote für Familien und Kinder angezeigt werden? Wo finde ich Spielplätze? Wo gibt es die nächste Wickelmöglichkeit?

      So könnte man von unterwegs immer schnell darauf zurückgreifen und ohne sich durch mehrere Internetseiten suchen zu müssen.

      Viele Grüße
    • Hallo Evelin,

      die Abschaffung der Kitagebühren ist schon lange in der politischen Debatte. Aber es gibt momentan keine Zusage der Landesregierung, die Kitagebühren abzuschaffen und die Kosten dafür zu tragen - und ich rechne auch kurzfristig nicht damit. Es ist ein gemeinsamer Vorsatz von Landesregierung und Kommunen, erstmal vorrangig zusätzliches Geld in die Qualität der Kitas zu stecken - und nicht in die Gebührenfreiheit.

      Rein theoretisch könnten die Kommunen auch in Eigenverantwortung die Gebühren abschaffen, aber dann müsste die Stadt Bielefeld ca. 11 Prozent der Kitakosten zusätzlich tragen - ein zweistelliger Millionenbetrag. Das können wir uns realistisch gesehen leider nicht leisten. Natürlich gäbe es auch Zwischenschritte - indem man zum Beispiel die Kitagebühren bei Eltern mit geringen Einkommen reduziert.

      Ich bin aber überzeugt, dass es eine Frage der Zeit ist, bis Bund, Land und Kommunen gemeinsam diesen Schritt gehen - damit Bildung von der Kita bis zur Hochschule gebührenfrei ist. Wenn sich die Staatsfinanzen weiter so gut entwickeln, wäre das eine gute Möglichkeit, Familien gezielt zu entlasten.

      Freundliche Grüße

      Ingo Nürnberger
    • Hallo Jipsi, ja, so eine App ist grundsätzlich denkbar. Es gibt schon jetzt den Bielefelder Online-Kartendienst mit einigen Infos zu sozialen Einrichtungen (bielefeld01.de/geodaten/welcome.php?art=sozial), aber das ist noch keine bequeme umfassende App, wie Sie das vorschlagen.

      Aber ich kann mir vorstellen, dass sich der Online-Kartendienst in diese Richtung entwickelt. Wir arbeiten daran!

      Freundliche Grüße

      Ingo Nürnberger
    • Sehr geehrter Herr Nürnberger,

      heute haben wir die KiwiBi-Infopost bekommen mit dem Grußwort des OBs. In dem Brief ist von Bielefeld als einer familienfreundlichen Stadt die Rede.
      Doch für uns ist es unerklärlich, wie diese Bezeichnung zu dem Inhalt der Satzung passen sollte.
      Die Satzung der angeblich so familienfreundlichen Stadt sieht vor, dass bei der Erhebung der Elternbeiträge für die KiTas die Aufwandsentschädigungen, Übungsleiterpauschalen, Fahrkostenerstattungen herangezogen werden. Also wird man für die Ausübung eines Ehrenamtes, was sehr oft gerade Familien und Kindern zugute kommt, in Bielefeld bestraft.
      Wir sind auf diese Art und Weise höher eingestuft worden und mussten ca. 600 € nachzahlen. Das Geld wird in Bielefeld quasi doppelt verbeitragt - wenn man es verdient hat und wenn man es in Form eines Auslagenersatzes erstattet bekommt.
      Sie fragen nach Verbesserungsvorschlägen - vielleicht wäre hier eine Satzungsänderung denkbar?

      Gruß

      Familie Langer